Die Anfänge

Gründung der Frauen-Union nach dem Zweiten Weltkrieg

Die aktive Mitgestaltung der Politik seit dem Zweiten Weltkrieg war keineswegs eine Rolle, die Frauen fremd war. Seit Einführung des Frauenwahlrechts in der Weimarer Republik hatten sich Frauen, wenn auch als Minderheit, aktiv an der deutschen Politik beteiligt. Nach der Machtergreifung Hitlers wurden sie jedoch aus der offiziellen Politik ausgeschlossen. Die Nationalsozialisten hatten eine andere Rolle für Frauen vorgesehen: die deutsche Frau als Mutter, gebärfreudig und vaterlandstreu.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zogen die Frauen aus der nationalsozialistischen Herrschaft vor allem eine Lehre: Sich das politische Engagement nicht länger verbieten zu lassen. Sie wollten teilhaben an einem Prozess, der Friedenssicherung und Demokratisierung versprach. Unter denjenigen, die ein früheres politisches Engagement wieder aufnahmen, befand sich die ehemalige Reichstagsabgeordnete Thusnelda Lang-Brumann, die nach dem Krieg an ihre politische Karriere anknüpfte. Sie begann, Frauen konfessionsübergreifend zu organisieren. Zu diesem Zirkel gehörten unter anderen die damalige Stadträtin Zita Zehner, Dr. Maria Probst, Gräfin Bothmer, Else Dahm, Maria Deku, Elisabeth Hahn sowie Dr. Elisabeth Meyer-Spreckels.

Innerhalb der CSU bildeten sich zahlreiche Arbeitsausschüsse, die für den Ausbau der Organisation zuständig waren, u.a. auch der sog. „Frauenausschuss“, der sich als „gesamte Vertretung aller Frauen sowie aller Wählerinnen der Union“ verstand und sich einem breiten Spektrum an gesellschaftlichen Themen widmete. So nahmen die Frauen auch Einfluss auf das erste Grundsatzprogramm der CSU, das im Dezember 1946 verabschiedet wurde. Darin heißt es: „Mann und Frau sind in Wert und Aufgabe ebenbürtig. Wir fordern die rechtliche und soziale Gleichstellung der Geschlechter.“

 

Thusnelda Lang-Brumann, erste Vorsitzende der Frauen-Union

„Ich habe den Auftrag, der außerordentlichen Landesversammlung der Union mitzuteilen, daß sich die Frauen der Christlich-Sozialen Union in Bayern auf einer in jeder Hinsicht einmütig verlaufenden Versammlung zur Landesarbeitsgemeinschaft der Frauen der CSU in Bayern zusammengeschlossen haben [...]. Der Zweck der Gründung ist die klare Herausstellung der Gesamtmeinung und des Gesamtwillens des Wählerkreises der Union, der in Anspruch nehmen darf, zahlenmäßig der größte zu sein.“

 

Nach und nach formierten sich in der CSU Untergliederungen. So schlossen sich am 29. August 1947 auch die Frauen innerhalb der CSU Frauenarbeitsgemeinschaft (FAG) zusammen. Als Mitbegründerin erklärte Thusnelda Lang-Brumann dazu auf der außerordentlichen Landesversammlung der CSU: Am 1. Mai 1948 schlossen sich in Frankfurt die Frauenarbeitsgemeinschaften der CSU und CDU zur „Frauenarbeitsgemeinschaft der CDU/CSU Deutschlands“ zusammen. Helene Weber hatte den Vorsitz. Gemeinsame Themen waren u.a. Gleichberechtigung, Lastenausgleich, Elternrecht und die mangelnde Repräsentanz von Frauen als Mandatsträgerinnen. Allerdings wurde die organisatorische Zusammenführung beider Arbeitsgemeinschaften drei Jahre später nach Gründung der CDU als Bundespartei wieder aufgehoben.

  Deutsche Frauenpolitik der 50er und 60er Jahre

Die politische Neugestaltung des Landes

In den ersten Jahren der Besatzungszeit wirkte, einer Schätzung der amerikanischen Militärregierung zufolge, nur etwa jede zehnte Frau an der Gestaltung der Politik mit.

Jene Frauen, die in der Politik Fuß gefasst hatten, um aktiv an der politischen Neugestaltung des Landes mitzuarbeiten, konnten beachtliche Erfolge vorweisen: Im Bayerischen Landtag setzten sich die vier weiblichen CSU-Abgeordneten Maria Deku, Franziska Gröber, Dr. Maria Probst sowie Zita Zehner für zahlreiche Verbesserungen in der Frauen-, Familien- und Sozialpolitik ein. Eckpunkte ihrer Erfolgsbilanz waren die Erhöhung staatlicher Erziehungsbeihilfe und Invalidenrente, Gewährung von Blindengeld, Heraufsetzen der Lebensmittelrationen, Einführung von Renten für Kriegswitwen und Waisen, rechtliche Stärkung der Arbeitnehmer, Bau von Wohnungen für Flüchtlinge und Ausgebombte sowie die Förderung von begabten Kindern aus armen Familien.

Zur Zielsetzung der Arbeit der FAG erklärte Zita Zehner, die 1953 die Nachfolge von Thusnelda Lang Brumann übernahm: „All die Fragen, die die Frau und die Familie unmittelbar berühren, seien es kulturpolitische, wirtschafts- und sozialpolitische Fragen, dürfen nicht nur von Männern gelöst werden.“ Allerdings sollte nach Zehners Auffassung die FAG sich andererseits nicht der „großen Politik“‘, sondern den Themen Frau und Familie widmen. Eine Auffassung, die sich in den ersten zwei Jahrzehnten nach Gründung der Arbeitsgemeinschaft in deren Themenschwerpunkten widerspiegelte. Frauenpolitik war nach dieser Betrachtungsweise vor allem Familienpolitik.

Eine thematische Öffnung vollzog sich im Zuge des gesellschaftspolitischen Wandels ab Mitte der 1960er Jahre. Einen Meilenstein in der Geschichte der Frauen-Union stellt vor allem das Jahr 1965 gleich in mehrfacher Hinsicht dar: Zum einen fand in diesem Jahr erstmals in München ein Frauenkongress statt, auf dem man sich zum ersten Mal mit der berufstätigen Frau in der Gesellschaft beschäftigte. Einige der auf dem Kongress getroffenen Aussagen fanden später im 1968 neu verabschiedeten CSU-Grundsatzprogramm ihren Eingang: „Die Frau leistet in Familie und Beruf einen entscheidenden Beitrag für die Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft. Für die Teilnahme der Frau am öffentlichen und beruflichen Leben sind Bedingungen zu schaffen, die ihren besonderen Lebensphasen Rechnung tragen und dem Grundsatz der Gleichberechtigung entsprechen.“

Außerdem wurde im gleichen Jahr die Position der Frauenreferentin etabliert und die Frauen-Union war damit in der CSU-Landesleitung durch ein eigenes Referat und eine eigene Referentin - als erste hatte Elisabeth Wunsch diese Funktion inne - repräsentiert.

Vor allem aber wurde die CSU-Abgeordnete Dr. Maria Probst zur ersten Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags berufen. Probst, die sich stark gemacht hatte für die Rechte der Kriegshinterbliebenen, konnte damit auf eine steile, politische Karriere zurückblicken, zu deren Stationen sowohl ihre Arbeit als eine der ersten Landtagsabgeordneten (1946-49) und als erste Bundestagsabgeordnete (1949-67) zählten. Im Juni 1968 änderte die Frauenarbeitsgemeinschaft auf der Landesversammlung in Vierzehnheiligen ihren Namen: Seitdem ist sie die Frauen-Union.

  Zäsur und Neuorientierung

Die Neue Frauenbewegung und die Frauen-Union

Bis in die 1960er Jahre hinein übten die Parteien auf Frauen eine eher geringe Anziehungskraft aus. Das änderte sich im Zuge der allgemeinen gesellschaftlichen Politisierung, deren Ausdruck unter anderem die Studentenbewegung wie auch die Frauenbewegung waren.

Die neuen Impulse innerhalb der Frauenpolitik, die von der „Neuen Frauenbewegung“ ausgingen, beeinflussten auch die Diskussion innerhalb der Frauen-Union, der von 1969 an Centa Haas vorstand. Mochten auch Auftreten und Standpunkte unterschiedlich sein, so war man doch am Austausch von Ideen interessiert. Man lud feministische Vertreterinnen ein und setzte sich im Rahmen von Vorträgen und Diskussionen mit deren Gedanken auseinander. Am offensichtlichsten traten Unterschiede bezüglich des §218 StGB zutage. Vertreterinnen der „Neuen Frauenbewegung“ hatten öffentlich gefordert, §218 abzuschaffen und damit Abtreibung zu legalisieren. In einer „Selbstbezichtigungsaktion“ präsentierten sich 374 Frauen, darunter Alice Schwarzer, im Magazin „Stern“ und erklärten, abgetrieben zu haben. So geschlossen, wie diese Frauen eine Front gegen §218 bildeten, so einig waren sich die Mitglieder der Frauen-Union darin, dass sie gegen eine Streichung waren.

Mit dem Wechsel an der Spitze der Frauen-Union im Jahr 1973 von Centa Haas an Ursula Krone-Appuhn vollzog sich ein Generationswechsel innerhalb der Frauen-Union und richtete thematisch den Fokus auf neue Bereiche. So brachte Krone-Appuhn, die im Verteidigungsausschuss saß, das Thema „Wehrpolitik“ ein und setzte sich bewusst für die Rechte Alleinerziehender ein. Unter Krone-Appuhn legte die Frauen-Union ein detailliertes Aktionsprogramm zu ihren politischen Zielsetzungen vor.

Denkwürdig für die Frauen-Union ist das Jahr 1979: Erstmals werden die Abgeordneten des Europäischen Parlaments durch Direktwahl bestimmt und Ursula Schleicher zieht als erste CSUFrau in diese europäische Institution ein und wird damit für viele Frauen zum Vorbild, die sich in der Europapolitik engagieren.

  Motto „Wahlfreiheit“

Die 1980er und 1990er Jahre

Während für die Frauenbewegung in der Folge der 68er bis weit in die 70er Jahre die gesellschaftliche Rolle der Frau im Fokus stand, entwickelte sich in den 1980er Jahren ein neues Bewusstsein: Frauen wollten sich nicht mehr auf typische Frauenthemen beschränken, sondern ihre Standpunkte in sämtliche gesellschaftspolitische Debatten einbringen. Neu war, dass alle politischen Bereiche für die frauenpolitische Diskussion interessant wurden. Man setzte sich mit Gentechnik, Medizin und Ökologie auseinander und signalisierte: Frauenpolitik ist mehr als reine Familienpolitik.

Mit dem Anspruch, aus der Arbeitsgemeinschaft „eine schlagkräftige politische Frauenorganisation“ zu machen, übernahm Prof. Ursula Männle zu Beginn der 1980er Jahre den Landesvorsitz. Zu ihren wichtigsten Zielsetzungen, die eng an die Geschäftsordnung der Frauen-Union geknüpft waren, zählten: Frauenanliegen in konkrete Politik umzusetzen und Frauen für die politische Mitgestaltung innerhalb der Partei zu gewinnen. Zudem galt es, den Aufbau von Kreis- und Ortsverbänden voranzutreiben. Vor allem aber sollte die Repräsentanz von Frauen als Mandatsträgerinnen erhöht werden. In diesem Zusammenhang kam es zu kontroversen Diskussionen in Bezug auf die Einführung einer Frauenquote. Letztendlich entschied sich die Frauen-Union dagegen.

Die Frauen-Union definierte Frauenpolitik „als integrative[n] Bestandteil der Gesamtpolitik, d.h. die Anliegen der Frauen, ihre Wertvorstellungen müssen Eingang finden in eine sehr männlich geprägte Politik.“

Mit dem Zusammenbruch der DDR und der deutschen Wiedervereinigung vollzog sich zu Beginn der 90er Jahre ein dramatischer Veränderungsprozess innerhalb der Gesellschaft. Es galt, zwei grundlegend verschiedene Staats- und Gesellschaftssysteme zusammenzuführen. Gleichzeitig orientierte sich die deutsche Außenpolitik hin zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedern. Dies spiegelte sich schließlich auch darin wider, dass die Frauen-Union auch den Dialog und die Vernetzung auf europäischer Ebene suchte.

Im Jahre 1991 übernahm Gerda Hasselfeldt den Vorsitz. Thematisch blieb die Frauen-Union breit aufgestellt. Man diskutierte die Informations- und Kommunikationstechnologie, Telearbeit, Umweltpolitik und nicht zuletzt auch den Euro als zukünftige europäische Währung. Als Kernthema bestehen blieben die Themen Familienpolitik sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Das Thema Frauen im Beruf ist kein Modethema, sondern eine drängende politische Aufgabe“, betonte Gerda Hasselfeldt dazu. Man war sich darin einig, dass die Familie das Fundament der Gesellschaft darstellte - auch und gerade in Zeichen der dramatischen Veränderungen, die sich in vielen Lebensbereichen vollzogen.

Einen wichtigen Bereich benannte Maria Eichhorn, die 1995 den Vorsitz der Frauen-Union übernahm: „Wir müssen mehr tun für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir wollen die Wahlfreiheit sicherstellen. Frauen sollen selbst entscheiden können, ob sie Karriere machen wollen, sich um ihre Familien kümmern oder Familie und Beruf verbinden.“ Die Frauen-Union trat für eine flexiblere Gestaltung des Erziehungsurlaubs ein, für die Einführung von Familiengeld, die finanzielle Förderung von einkommensschwachen Familien und widmete sich auch der Frage, wie Altersarmut bei Frauen verhindert werden kann. Von zentraler Bedeutung war für die Frauen-Union dabei, nicht nur die Kinderbetreuungsmöglichkeiten auszubauen, sondern auch gezielt Familien finanziell zu unterstützen, ein Ansatz, der sich 2006 auch in der Diskussion zur Einführung des Elterngelds zeigte.

  Starke Frauen. Starke Netzwerke.

Frauen rücken in Führungspositionen vor

Die vorgezogene Bundestagswahl im Herbst 2005 war für Deutschland abermals eine historische Wende: Zum ersten Mal wurde mit Dr. Angela Merkel eine Frau an die politische Spitze Deutschlands gewählt. Nach Jahrzehnten, in denen Frauen sich nach und nach ihren Platz im Landtag, im Bundestag und im Europäischen Parlament errungen hatten, waren Frauen endlich im Zentrum der Macht angelangt. Das hatte eine starke Signalwirkung: Frauen konnten nun in jede politische Führungsposition vorrücken.

Im Juli 2005 wurde Emilia Müller zur neuen Landesvorsitzenden der Frauen-Union gewählt. Sie erklärte, dass es auch künftig eine der vordringlichsten Aufgaben der Frauen-Union sein müsse, das Frauennetzwerk in der CSU zu stärken und zu erweitern. Zielsetzung sei es, Frauen in Führungspositionen zu unterstützen und den Anteil an weiblichen Abgeordneten zu erhöhen. Um diese Ziele erfolgreich umzusetzen, rief die Frauen-Union mehrere neue Projekte ins Leben.

Mit einem „Mentoring-Programm“, bei dem jeweils einer Mentee eine erfahrene Politikerin zur Seite gestellt wurde, sollte der politische Nachwuchs ausgebildet werden. Ziel war es, politisch interessierten Frauen den Weg in die Politik zu erleichtern und Nachwuchspolitikerinnen gezielt auf die Übernahme von höheren politischen Ämtern vorzubereiten. Das vom Bezirksverband Oberbayern initiierte Projekt wurde aufgrund seines Erfolges landesweit auf die Bezirksverbände ausgeweitet und schließlich auch von der Frauen Union der CDU übernommen.

Die Vernetzung von Frauen trieb die Frauen-Union auf mehreren Ebenen voran – nicht zuletzt durch einen intensiven Austausch mit der Frauen Union der CDU oder durch regelmäßige Treffen mit Frauen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien. Bei ihren „Netzwerkerinnentreffen“ bot die Frauen-Union Frauen mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen die Möglichkeit zum gemeinsamen Erfahrungs- und Meinungsaustausch. „Netzwerken“ wurde damit zu einem zentralen Thema innerhalb der Frauen-Union.

Auf ihrer Landesversammlung in Bayreuth im Juli 2007 zog die FU Bilanz: „Die Frauen-Union hat in den letzten zwei Jahren viel bewegt. Wir haben neue Konzepte wie das Netzwerkerinnentreffen, den Alpha-Club und das Mentoring-Programm entwickelt. Damit haben wir, gerade was die Gleichstellung und das Frauenbild in unserer Partei und der Gesellschaft angeht, deutliche Signale gesetzt“, so Emilia Müller.

Für die Kommunal- und Landtagswahlen 2008 forderte die Landesvorsitzende: „Wer die weibliche Mehrheit der Bevölkerung erreichen will, wer auch künftig noch Wahlsiege mit 50+x einfahren will, muss Frauen auf den Listen und in politischen Führungspositionen platzieren. Dies ist kein Freundschaftsdienst, sondern eine politische Notwendigkeit.“

  Was Frauen wollen: Von der Einführung der Frauenquote zur Mütterrente

Die CSU diskutierte 2010, wie sie sich modern, weiblich und zukunftsorientiert aufstellen kann. Aus Sicht der Frauen-Union war die Frage, wie die CSU künftig mehr Frauen als Mitglieder, als Funktions- und Mandatsträgerinnen gewinnt. Eine Frage, die über die Zukunft der Partei entscheiden würde. Die FU forderte daher die CSU dazu auf, eine parteiinterne Frauenquote in Höhe von 40% für alle Parteiebenen einzuführen. Parteivorsitzender Horst Seehofer sagte früh seine Unterstützung zu: „Wir können nicht pausenlos davon reden, wir wollen eine frische, moderne Partei sein, und wehe die Diskussion findet dann statt.“ Der Vorstoß der Frauen-Union löste eine heftige Debatte innerhalb der Partei aus, bei der sich schließlich die Frauen-Union erfolgreich durchsetzen konnte. Am CSU-Parteitag 2010 wurde, nach einer mehrstündigen Debatte, eine parteiinterne Frauenquote für den CSU-Parteivorstand und die CSU-Bezirksvorstände eingeführt.

Unter dem Motto „Jahr der Frau“ startete die CSU gemeinsam mit der Frauen-Union im darauffolgenden Jahr Aktionen und Formate, um mehr Frauen für die CSU zu gewinnen und etablierte die Veranstaltungsreihe „Lounge in the City - Ladies After Work Party“, ein Konzept, das zu einem der erfolgreichsten Formate der Partei wurde und mit dem zum ersten Mal bewusst Frauen angesprochen wurden.

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 griff die Frauen-Union ein Thema auf, bei dem sie einen großen Unterstützerkreis fand: Unter dem Motto „Jedes Kind ist die gleiche Rente wert“ forderte die Frauen-Union eine gerechtere Mütterrente. Frauen, die Kinder vor 1992 geboren hatten, sollten ebenso drei Entgeltpunkte erhalten wie jüngere Mütter. Mit 27.000 gesammelten Unterschriften marschierte die Frauen-Union auf dem CSU-Rentenkongress auf und fand erneut Unterstützung beim Parteivorsitzenden Horst Seehofer, der bei der CDU einen weiteren Entgeltpunkt durchsetzen konnte.

Bei der Bundestagswahl 2013 kämpften Frauen-Union der CSU und CDU Seite an Seite für die Wiederwahl der CDU-Parteivorsitzenden Dr. Angela Merkel. Mit einer gemeinsamen Veranstaltung „Frauen für Merkel“ setzte die Frauen-Union der CSU in München mit 1.500 Gästen erneut einen weiteren Höhepunkt und hatte im Herbst allen Grund zu feiern: Der Frauenanteil in der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag konnte mehr als verdoppelt werden.

Noch im selben Jahr startete die FU ihre neue Kampagne „Nein zu Zwangsprostitution“. Inhaltliche Forderungen der Projektgruppe „Menschenhandel und Zwangsprostitution“ gingen auch in zentrale Beschlüsse der CSU-Landesgruppe zur Neuregelung des Prostitutionsgesetzes ein, das im Deutschen Bundestag verabschiedet wurde.

Die Flüchtlingskrise, die ab dem Jahr 2015 einen starken Zustrom an Menschen, die in Deutschland Schutz und Hilfe suchten, mit sich brachte, stellte die Politik und die Gesellschaft vor ganz neue Herausforderungen. Menschenwürdige Antworten zu finden, Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen und erfolgreiche Integrationsmaßnahmen durchzuführen, wurden bestimmende Leitmotive.

Die Frauen-Union der CSU positionierte sich entsprechend. „Frauen sind der Schlüssel“ war die Botschaft, die sie gemeinsam mit den CDU-Kolleginnen bekräftigte. Ohne die Flüchtlingsfrauen als Wertevermittlerin für nachfolgende Generationen in den Blick zu nehmen, würden Integrationsbemühungen nicht erfolgreich sein, so der Konsens. Darüber hinaus startete die Frauen-Union ihre Kampagne „Selbstverständlich“, um eine Debatte über die Werte, die uns verbinden, anzustoßen und darüber hinaus einen Beitrag zum CSU-Grundsatzprogramm einzubringen.

Im Jahr ihres 70-jährigen Bestehens zog die Frauen-Union erneut in den Bundestagswahlkampf mit einer starken Bilanz an frauen- und gesellschaftspolitischen Maßnahmen, die von ihren Mandatsträgerinnen durchgesetzt wurden. Trotz der positiven Bilanz konnten in den Bundestag leider nur Direktkandidatinnen und –kandidaten einziehen, so dass sich der Prozentsatz der weiblichen Abgeordneten weiter reduzierte. Dies bedeutet erneut, dass Frauen wieder für mehr Mandate und ihre Themen kämpfen müssen, auch nach 70 Jahren Erfolgsgeschichte.

Im Herbst 2019 trat Ulrike Scharf, MdL als neue Landesvorsitzende an: „Wir müssen uns als Frauen intensiv behaupten, von unserer Zielen überzeugen und Mut zur Auseinandersetzung haben.“ Sie rief die Frauen auf, Verantwortung zu übernehmen und für ihre Anliegen zu kämpfen. Um die CSU weiblicher zu machen forderte sie die Partei auf, am Parteitag Maßnahmen zu verabschieden, um die Mitte der Gesellschaft auch im Geschlechterverhältnis abzubilden, darunter ein Reissverschlussverfahren für alle Listen und die Ausweitung der bestehenden Frauenquote. Ihr Ziel: „Wir müssen mehr Frauen für die CSU gewinnen. In der Frauen-Union Bayern liegt ein großes Potenzial, das wir nutzen müssen. Es ist unser Anspruch und die Aufgabe der gesamten Partei, dass die CSU weiblicher wird.“ Am Parteitag konnte die Frauen-Union u.a. eine Weiterentwicklung der Frauenquote auf Partei- und Bezirksebene durchsetzen: Parität (50%) in den engen Vorständen (Vorsitzender, Stellvertreter, Schriftführer, Schatzmeister) sowie eine Soll-Vorschrift bei den Kreisvorständen (40% für den gesamten Vorstand, 50% für den engeren Vorstand), sowie Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und kommunalem Mandat und weitere Maßnahmen zur Steigerung der Frauenrepräsentanz in der Partei durchsetzen.

Viele Aufgaben bleiben noch: Die Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen ist noch längst nicht hergestellt, noch immer sind Frauen stärker von Altersarmut betroffen als Männer, noch immer liegt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und oft auch Pflege bei den Frauen. Und nach wie vor müssen wir Frauen motivieren, sich politisch zu engagieren und Männern aufzeigen, dass Frauen anders angesprochen werden wollen. Vieles davon ist ein Prozess, darüber dürfen Frauen nicht vergessen, die Chancen, die sich bieten, für sich zu nutzen und im entscheidenden Moment Forderungen stark zu vertreten - auch bei Gegenwind. Es ist gut, dass die Frauen-Union dabei starke Mitstreiterinnen an ihrer Seite weiß.

Literatur- und Bildnachweis

Literatur

  • CSU-Frauenreferat (Hrsg.), 40 Jahre Frauen-Arbeit in der CSU. Zur Geschichte der Frauen-Union, München 1985.
  • Frauen-Union der CSU (Hrsg.), 50 Jahre Frauen-Union, Hofmann-Druck Augsburg 1997.
  • Hanns-Seidel-Stiftung (Hrsg.), Geschichte einer Volkspartei. 50 Jahre CSU, Atwerb-Verlag KG Grünwald, 1995.
  • Helwig, Gisela/ Nickel, Hildegard Maria, "Frauen in Deutschland 1945-1992", Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1993.
  • Männle, Ursula. "Der Weg zur Anerkennung. Einsatz-Erfolge-Perspektiven", in: Bayernkurier, 25.1.1986.
  • Männle, Ursula/Heep, Marita, Frauenpolitik - Bilanz und Perspektiven", in: Politische Studien, 40. Jahrgang, Nr. 303, Verlag R.S. Schulz, Percha am Starnberger See 1989.
  • Süssmuth, Hans, Geschichte der Frauen-Union, Baden-Baden 1990.
  • 50 Jahre Frauen-Union, 1946 Bezirksverband München 1996, München 1996.
  • Nave-Herz, Rosemarie, Die Geschichte der Frauen-Bewegung in Deutschland, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1997.

 Bildmaterial

  • Bayerischer Landtag
  • Hanns-Seidel-StiftungStiftung
  • Archiv der deutschen Frauenbewegung

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