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Klassische Rollenverteilung

Unter Akademikerinnen und Akademikern herrscht noch die klassische geschlechtsspezifische Arbeitsteilung vor. Das ergab eine Befragung des Hochschul-Informations-System (HIS) unter weiblichen und männlichen Hochschulabsolventen unterschiedlicher Fachrichtungen.

Zum Zeitpunkt der Befragung hatten etwa 30 Prozent der Absolventinnen und Absolventen bereits Kinder. Allerdings sind es fast ausnahmslos Frauen, die eine Familientätigkeit übernehmen und deshalb beruflich aussetzen. Männliche Absolventen hingegen gaben fast nie eine Familientätigkeit an. Dieses Muster zeigt sich praktisch in allen Fachrichtungen. Lediglich unter den männlichen Magisterabsolventen ist ein stärkerer Trend zur Familientätigkeit zu verzeichnen.

Während zwei Drittel der befragten Mütter eine Teilzeittätigkeit bevorzugen würden, hegen nur 11 Prozent der Väter den gleichen Wunsch. Beinahe vier Fünftel der erwerbslosen Akademikerinnen gaben die Erziehung der Kinder als Grund für ihre Erwerbslosigkeit an - gegenüber 15 Prozent der Männer. Dieser Wert ist bezogen auf die Frauen in den letzten fünf Jahren sogar um 5 Prozentpunkte angestiegen.

Die Befragung wurde Anfang 2007 vom Hochschul-Informations-System (HIS) im Rahmen der Studie "Der Absolventenjahrgang 2000/2001 fünf Jahre nach dem Studienabschluss" durchgeführt.

Christian Kerst und Michael Schramm: Der Absolventenjahrgang 2000/2001 fünf Jahre nach dem Hochschulabschluss. Berufsverlauf und aktuelle Situation, ISSN: 1863-5563, 242 Seiten, 30 Euro. 
Die Studie kann auch kostenlos heruntergeladen werden unter:http://www.his.de/publikation/forum

Familienpolitik ist auf dem richtigen Weg

"Die Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes bestätigen den eingeschlagenen Weg der Bundesregierung. Eine moderne Politik für alle Familien in diesem Land muss veränderte Lebensrealitäten in den Blick nehmen und die Menschen dabei unterstützen, mit ihren Kindern die Lebensentwürfe zu leben, die sie sich wünschen. Mit dem Elterngeld mit seinen immer erfolgreicheren Vätermonaten, dem Ausbau der Kinderbetreuung, der verbesserten Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten konnten wir in dieser Legislaturperiode wichtige Meilensteine setzen. Ich freue mich sehr, dass wir mit dem am 1. Oktober in Kraft tretenden verbesserten Kinderzuschlag im neuen Jahr 250.000 Kinder aus ärmeren Familien erreichen. Für diese Familien, insbesondere aber für Alleinerziehende hat auch das Kindergeld eine hohe Bedeutung als Schutz vor dem Absturz in die Armut. Wenn der Existenzminimumbericht in Kürze vorliegt, werden wir nicht nur über eine Erhöhung der Leistung sprechen, sondern auch darüber, wie wir das Kindergeld gestalten, damit es dort wirkt, wo es am nötigsten gebraucht wird", kommentiert Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die vom Statistischen Bundesamt am 22. Juli 2008 in Berlin vorgestellten Daten. 

Die Ergebnisse zeigen, dass für die Mehrheit der Bevölkerung eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie von zentraler Bedeutung ist. Wenn über die Hälfte der Paare mit jüngstem Kind unter 15 Jahren erwerbstätig ist, stellt sich die Frage nach einer familienfreundlichen Arbeitswelt und ausreichender Zeit für die Familie mit besonderer Nachdrücklichkeit. Mit dem Unternehmensprogramm "Erfolgsfaktor Familie" mit deutschlandweit bereits mehr als 1.700 beteiligten Betrieben und den mehr als 500 Lokalen Bündnissen für Familie in allen Bundesländern setzen wir wichtige Impulse für familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Auch unsere Initiativen für den beruflichen Wiedereinstieg nach einer familienbedingten beruflichen Unterbrechung unterstützen Mütter und auch Väter, die nach einer längeren Familienphase wieder in eine Erwerbstätigkeit einsteigen wollen. Nicht zuletzt trägt auch der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote wesentlich dazu bei, dass auch in den westlichen Bundesländern eine echte Wahlfreiheit für alle Eltern geschaffen wird, ob sie ihr Kind lieber ganztags zuhause betreuen möchten, oder stundenweise in die Obhut einer Tagesmutter oder einer Kita geben möchten. 

Wie wir wissen, schafft die eigene Erwerbstätigkeit mittelfristig die besten Voraussetzungen, um prekäre Lebenslagen und Armut zu vermeiden. Auch das Statistische Bundesamt bestätigt vorhandene Erkenntnisse und identifiziert insbesondere Alleinerziehende und Mehrkindfamilien als armutsgefährdet. Das Bundesfamilienministerium fördert diese Gruppe besonders. Mehrgenerationenhäuser und Lokale Bündnisse für Familie haben gezielte Unterstützungsangebote für Alleinerziehende im Programm. Mehrkindfamilien sind von zusätzlichen finanziellen Belastungen betroffen. Sie würden durch ein höheres gestaffeltes Kindergeld, wie es Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen favorisiert, spürbar entlastet.

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Frauen müssen nicht zu Supermenschen werden

Vor 90 Jahren durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen. Wie weit sind wir heute auf dem langen Weg zur Gleichberechtigung? Über neuen und alten Feminismus diskutierten auf Einladung der Wochenzeitung "Die Zeit" die erste deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, und die Autorin Jana Hensel. Zu Beginn des Gesprächs räumte die CDU-Vorsitzende ein, dass die Frage des Geschlechts bei ihrer Kanzlerkandidatur vor vier Jahren "noch manche Wähler verunsichert" habe. Heute sei die Unsicherheit, ob eine Frau dieses Amt ausfüllen könne, überwunden.

Die Kanzlerin machte deutlich, dass sie mit dem Begriff "Kohls Mädchen", mit dem sie als junge Frauenministerin zu Beginn der 1990-er Jahre bezeichnet worden sei, kein Problem habe. Tatsächlich habe Bundeskanzler Kohl mit Birgit Breuel eine Frau zur Chefin der Treuhandanstalt gemacht und die erste Präsidentin des Bundesrechnungshofs ernannt. Kohl habe "mehr für Frauen in der Politik getan als mancher Mann, den man vielleicht für moderner gehalten hätte", unterstrich Merkel. Was sich heute gegenüber früheren Zeiten im Kabinett verändert habe, sei die völlig unbefangene Diskussion auch über schwierige Themen. "Wenn es früher im Kabinett zum Beispiel um Gewalt gegen Frauen oder Pornografie ging, dann war die Erwartung, dass man das als Frau nicht lange thematisiert". Wenn heute Frau von der Leyen als Frauenministerin über diese Themen spreche, verlaufe die Diskussion ohne Befangenheit.

Männer sollten in der Debatte um Gleichberechtigung aktiver werden

Mit Blick auf die Rollenerwartung an Männer und Frauen sagte die Bundeskanzlerin, das Gleichberechtigung nur funktionieren könne, "wenn die Frau nicht der Supermensch werden muss, und alle anderen dürfen so weiterleben, wie sie immer gelebt haben". Vor diesem Hintergrund forderte Merkel eine verstärkte Diskussion unter Männern über ihre Rolle in Familie und Gesellschaft, "weil auch sie in eine neue Rolle hineinwachsen". Frauen seien eher daran gewöhnt, über ihr "Frausein" zu sprechen. Zugleich plädierte sie dafür, den Familien ein Stück mehr Sicherheit zu geben. "Die Veränderungen in der Berufswelt spüren die Jüngeren heute sehr viel stärker, als das früher der Fall war". Von dieser Entwicklung seien Männer und Frauen gleichermaßen betroffen.

Mehr Frauen in deutschen Konzern-Vorständen

Daneben sprach sich die Kanzlerin für mehr Frauen in den Vorständen deutscher Konzerne aus. "In den Dax-Unternehmen haben wir nur zwei Frauen im Vorstand: Bei Siemens und der Deutschen Bahn. Das bedauere ich", unterstrich die CDU-Vorsitzende. Was die Gleichberechtigung betreffe, sei die Wirtschaft immer noch der geschlossenste Bereich der Gesellschaft. Eine Frauenquote für die Wirtschaft lehnte die Kanzlerin allerdings ab. Sie sehe "das nicht als Aufgabe für den Gesetzgeber, sondern als Aufgabe der Wirtschaft selbst". Im Übrigen liege es im Eigeninteresse der Wirtschaft, daran in absehbarer Zeit etwas zu ändern.

Als Bundeskanzlerin will Angela Merkel die politischen Rahmenbedingungen so gestalten, "dass wir nicht nur von Wahlfreiheit für Frauen und Männer reden, sondern die Möglichkeiten der Wahl schaffen, damit jeder Einzelne sein Leben so gestalten kann, wie er oder sie es möchte". Dazu habe die Bundesregierung das Elterngeld eingeführt, sowie den Ausbau der Betreuung für Kleinkinder und die steuerliche Absetzbarkeit der Kosten der Kinderbetreuung beschlossen. "Das kann Politik entscheiden. Aber die gesellschaftliche Aufgabe, es ins praktische Leben zu überführen, es zum Alltag zu machen, die liegt bei Menschen wie Frau Hensel und ihrem Freund".

22.01.2009 Angela Merkel zu Frauenpolitik


 
 
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