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Motto "Wahlfreiheit"

Die 1980er und 1990er Jahre

Prof. Ursula Männle, Quelle: Bayer. Landtag

"Frauen und Männer leisten einen jeweils eigenen Beitrag zur Gestaltung von Politik: Partnerschaft in der Politik bedeutet deshalb, dass Männer und Frauen sich gegenseitig in ihren fachlichen Kenntnissen, ihrer Lebenserfahrung und ihrem Urteilsvermögen anerkennen und die männliche und weibliche Sicht- und Vorgehensweise als unverzichtbar für die politische Entscheidungsfindung begreifen."

(Prof. Ursula Männle)

Frauen als gesellschaftspolitisches Thema

Während sich die Frauenbewegung der 68er Jahre mit dem Thema Frau in der Gesellschaft beschäftigt hatte, setzte in den 1980er Jahren ein neuer Trend ein. Gesellschaft und Politik entdeckten das Thema für sich. Politischen Frauenorganisationen bot sich nun die Chance, die Gunst der Stunde zu nutzen und ihren individuellen Standpunkt in die gesellschaftliche Diskussion mit einzubringen. Frauen beschränkten sich nicht länger darauf, Zielsetzungen zu formulieren, stattdessen forderten sie deren politische Umsetzung. Neu war dabei auch, dass alle politischen Bereiche für die frauenpolitische Diskussion interessant wurden. Man setzte sich mit Gentechnik, Medizin und Ökologie auseinander und signalisierte: Frauenpolitik ist mehr als reine Familienpolitik.

Qualität statt Quote

Mit dem Anspruch, aus der Arbeitsgemeinschaft "eine schlagkräftige politische Frauenorganisation" zu machen, übernahm Prof. Ursula Männle zu Beginn der 1980er Jahre den Landesvorsitz. Zu ihren wichtigsten Zielsetzungen, die eng an die Geschäftsordnung der Frauen-Union geknüpft waren, zählten: Frauenanliegen in konkrete Politik umzusetzen und Frauen für die politische Mitgestaltung innerhalb der Partei zu gewinnen. Zudem galt es, den Aufbau  von Kreis- und Ortsverbänden voranzutreiben. Vor allem aber sollte die Repräsentanz von Frauen als Mandatsträgerinnen erhöht werden. In diesem Zusammenhang kam es zu kontroversen Diskussionen in Bezug auf die Einführung einer Frauenquote. Letztendlich entschied sich die Frauen-Union dagegen. Qualität sollte sich gegen Quote durchsetzen.

Politik mit Männern, nicht gegen sie

In starker Abgrenzung zu den Feministinnen ging es den Mitgliedern der Frauen-Union nicht darum, eine Politik zu verfolgen, die sich gegen Männer richtete, sondern eine, in der Männer miteinbezogen wurden. Frauen sollten an der Macht teilhaben, ohne Männer zu entmachten. Die Frauen-Union definierte Frauenpolitik "als integrative[n] Bestandteil der Gesamtpolitik, d.h. die Anliegen der Frauen, ihre Wertvorstellungen müssen Eingang finden in eine sehr männlich geprägte Politik."

Europa wächst zusammen

Gesamtpolitisch gesehen trat Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre ein dramatischer Veränderungsprozess ein. Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung zweier grundlegend verschiedener deutscher Staatssysteme galt es zu Beginn der 1990er Jahre, den Aufbau demokratischer Strukturen im Osten zu vollziehen. Gleichzeitig orientierte sich die deutsche Außenpolitik hin zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedern. Dies spiegelte sich schließlich auch darin wieder, dass die Frauen-Union auch den Dialog und die Vernetzung auf europäischer Ebene suchte.

Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Im Jahre 1991 übernahm Gerda Hasselfeldt den Vorsitz. Thematisch blieb die Frauen-Union breit aufgestellt. Man diskutierte die Informations- und Kommunikationstechnologie, Telearbeit, Umweltpolitik, und nicht zuletzt auch den Euro als zukünftige europäische Währung. Als Kernthema bestehen blieben die Themen Familienpolitik sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die damalige Vorsitzende Gerda Hasselfeldt machte dabei klar: "Das Thema Frauen im Beruf ist kein Modethema, sondern eine drängende politische Aufgabe." Man war sich darin einig, dass die Familie das Fundament der Gesellschaft darstellte, auch wenn dieses Fundament in den vorhergehenden zwei Jahrzehnten einem dramatischen Wandel unterworfen war.

Wahlfreiheit

"Wir müssen mehr tun für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf", forderte Maria Eichhorn, die vier Jahre später den Vorsitz übernahm: "Wir wollen die Wahlfreiheit sicherstellen. Frauen sollen selbst entscheiden können, ob sie Karriere machen wollen, sich um ihre Familien kümmern oder Familie und Beruf verbinden." Die Frauen-Union trat für eine flexiblere Gestaltung des Erziehungsurlaubs ein, für die Einführung von Familiengeld, die finanzielle Förderung von einkommensschwachen Familien und widmete sich auch der Frage, wie Altersarmut bei Frauen verhindert werden konnte. Von zentraler Bedeutung war für die Frauen-Union dabei, nicht nur die Kinderbetreuungsmöglichkeiten auszubauen, sondern auch gezielt Familien finanziell zu unterstützen, ein Ansatz, der sich 2006 auch in der Diskussion zur Einführung des Elterngelds zeigte.

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