Zita Zehner, Quelle: Hanns-Seidel-Stiftung
"Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die Mitarbeit der Frauen in der Politik notwendig ist, dann wurde dieser Beweis in der Notzeit nach dem Zusammenbruch von 1945 erbracht."
(Zita Zehner, zweite Vorsitzende der Frauen-Union)
In den ersten Jahren der Besatzungszeit wirkte, einer Schätzung der amerikanischen Militärregierung zufolge, nur etwa jede zehnte Frau an der Gestaltung der Politik mit. Zu sehr war der Großteil der deutschen "Trümmerfrauen" mit dem physischen Wiederaufbau des Landes beschäftigt, als dass sie Zeit und Energie gehabt hätten, die politische Zukunft mitzugestalten. So überraschte es keineswegs, dass sich in den 1950er Jahren in der weiblichen Bevölkerung eine vorwiegend apolitische Haltung manifestierte, die bis weit in die 1960er Jahre hinein andauerte.
Dennoch war die Nachkriegszeit die Zeit, in der Frauen, die aktiv an der politischen Neugestaltung des Landes mitarbeiteten, auf Erfolge verweisen konnten. Im Bayerischen Landtag setzten sich die vier weiblichen CSU-Abgeordneten Maria Deku, Franziska Gröber, Dr. Maria Probst sowie Zita Zehner für zahlreiche Verbesserungen für Frauen, Kinder, Arbeitnehmer und andere Gruppen ein. Auf ihrer Agenda stand die rechtliche und finanzielle Besserstellung besagter Gruppen und es gelang ihnen, diese Agenda erfolgreich umzusetzen. Eckpunkte dieser erfolgreichen Nachkriegspolitik war die Erhöhung staatlicher Erziehungsbeihilfe und Invalidenrente, Gewährung von Blindengeld, Heraufsetzen der Lebensmittelrationen, Einführung von Renten für Kriegswitwen und Waisen, rechtliche Stärkung der Arbeitnehmer, Bau von Wohnungen für Flüchtlinge und Ausgebombte sowie die Förderung von begabten Kindern aus armen Familien.
Neben wirtschaftspolitischen Fragen standen in diesen Jahren vor allem soziale und kulturelle Fragen für die Frauen der FAG im Vordergrund. Ihr erklärtes Ziel war es, die anti-christliche Haltung der nationalsozialistischen Zeit zu einem raschen Ende zu bringen und die Bevölkerung zum christlichen Glauben zurückzuführen. Sie traten für die Wiedereröffnung von Klosterschulen ein, machten sich für kriminelle Jugendliche stark und forderten eine Presse, die christliche Werte widerspiegelte. Darüber hinaus holten sie junge Frauen von der Straße weg und ermöglichten ihnen mit einer hauswirtschaftlichen Ausbildung eine Zukunftsperspektive.
Frauenpolitik wurde in den Anfangsjahren der FAG eng ausgelegt. Zita Zehner, die 1953, im selben Jahr, in dem sich die FAG die erste Geschäftsordnung gab, die Nachfolge von Lang-Brumann antrat, äußerte die Meinung: "All die Fragen, die die Frau und die Familie unmittelbar berühren, seien es kulturpolitische, wirtschafts- und sozialpolitische Fragen, dürfen nicht nur von Männern gelöst werden." Nicht der "großen Politik" sollten sich der Ansicht Zita Zehners nach die Frauen der FAG widmen, sondern den Themen Frau und Familie, eine Auffassung, die sich in den ersten zwei Jahrzehnten nach Gründung der Arbeitsgemeinschaft in deren Themenschwerpunkten widerspiegelte. Frauenpolitik war dieser Betrachtungsweise zufolge Familienpolitik.
Eine Verlagerung des thematischen Schwerpunkts zeichnete sich Mitte der 1960er Jahre ab. Ersichtlich wurde dies zunächst auf dem 1965 stattfindenden Frauenkongress in München. Im Unterschied zu vergangenen Kongressen, in denen das Thema Familie im Vordergrund stand, beschäftigte man sich zum ersten Mal mit der berufstätigen Frau in der Gesellschaft. Einige der auf dem Kongress getroffenen Aussagen fanden dabei in dem 1968 neu von der CSU verabschiedeten Grundsatzprogramm ihren Eingang: "Die Frau leistet in Familie und Beruf einen entscheidenden Beitrag für die Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft. Für die Teilnahme der Frau am öffentlichen und beruflichen Leben sind Bedingungen zu schaffen, die ihren besonderen Lebensphasen Rechnung tragen und dem Grundsatz der Gleichberechtigung entsprechen." Dies verdeutlichte, dass der Anspruch der Frauen-Union, auf Kongressen gezielt Themen zu bearbeiten und konkrete politische Vorstellungen zu formulieren, ihren Niederschlag innerhalb von Parteiprogrammen finden konnte.
Im gleichen Jahr, in dem Zita Zehner Vorsitzende wurde, richtete die Frauen-Union ein Büro in der Münchner Hildegardstraße ein, in dem Elisabeth Wunsch ehrenamtlich als rechte Hand der Vorsitzenden arbeitete. Wunsch hatte damit eine ähnliche Position inne wie die späteren Frauenreferentinnen der Landesleitung. Ihr ist es zu verdanken, dass die Organisation der FAG wesentlich ausgebaut werden konnte. Institutionalisiert wurde die Position der Frauenreferentin schließlich im Jahre 1965. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Frauen-Union in der CSU-Landesleitung durch ein eigenes Referat und eine eigene Referentin repräsentiert. Im selben Jahr wurde Dr. Maria Probst (CSU) zur ersten Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags ins zweithöchste Amt berufen. Probst, die sich stark gemacht hatte für die Rechte der Kriegshinterbliebenen, konnte damit auf eine steile, politische Karriere zurückblicken, zu deren Stationen sowohl ihre Arbeit als eine der ersten Landtagsabgeordneten (1946-49) und als erste Bundestagsabgeordnete (1949-67) zählten.
Im Juni 1968 änderte die Frauenarbeitsgemeinschaft auf der Landesversammlung in Vierzehnheiligen ihre Bezeichnung. Sie nannte sich fortan Frauen-Union. Die Namensänderung stand im Zusammenhang mit der Überlegung, nach außen hin die Verbundenheit sowohl zur Frauen-Union der CDU als auch zur Europäischen Frauen-Union zu signalisieren.
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