T. Lang-Brumann, Archiv der dt. Frauenbewegung
"Immer haben die Völker dann an die Frauen appelliert, wenn sie in größter Not waren. Es scheint uns beschieden zu sein, nur im Unglück" gerufen zu werden und nur in der Not zu unserer Aufgabe empor zu wachsen. Unsere Anfänge und unsere Stationen liegen an den Unglückskreuzen unseres Volkes."
(Thusnelda Lang-Brumann, erste Vorsitzende der Frauen-Union)
Die aktive Mitgestaltung der Politik seit dem Zweiten Weltkrieg war keineswegs eine Rolle, die Frauen fremd war. Seit Einführung des Frauenwahlrechts in der Weimarer Republik hatten sich Frauen, wenn auch als Minderheit, aktiv an der deutschen Politik beteiligt. Nach der Machtergreifung Hitlers wurden sie jedoch aus der offiziellen Politik ausgeschlossen und verloren ihre Anstellung als Lehrerinnen oder Verwaltungsbeamtinnen. Die Nationalsozialisten hatten eine andere Rolle für Frauen vorgesehen: die deutsche Frau als Mutter, gebärfreudig und vaterlandstreu. "Das nationalsozialistische Frauenbild" reduzierte sich, so der Historiker Hans Süssmuth, auf "ein Mutterbild". Politische Gestaltungsmöglichkeiten von Frauen hatten in diesem Konzept keinen Platz.
Dahingehende Aktivitäten konnten Frauen erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufnehmen. Aus der nationalsozialistischen Herrschaft hatten sie vor allem eine Lehre gezogen: Sich das politische Engagement nicht länger verbieten zu lassen. Sie wollten teilhaben an einem Prozess, der Friedenssicherung und Demokratisierung versprach. Zu diesem Zweck formierten sich Frauen in zahlreichen konfessionsübergreifenden Frauenausschüssen. Unter denjenigen, die ein früheres politisches Engagement wieder aufnahmen, befand sich die ehemalige Reichstagsabgeordnete Thusnelda Lang-Brumann. Als christliche Sozialpolitikerin hatte sie sich vor allem bei der Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels profiliert und knüpfte nach dem Krieg an ihre politische Karriere an. Die ehemalige Reichstagsabgeordnete begann damit, Frauen konfessionsübergreifend zu organisieren. Zu dem Zirkel christlicher Frauen, der sich in Bayern formierte, gehörten unter anderen die damalige Stadträtin Zita Zehner, Dr. Maria Probst, Gräfin Bothmer, Else Dahm, Maria Deku, Elisabeth Hahn sowie Dr. Elisabeth Meyer-Spreckels.
Während sich landesweit Frauenausschüsse bildeten, entstand gleichzeitig eine neue Parteienlandschaft. Demokratische Parteien wurden entweder neu oder wieder gegründet. In Bayern, wie im Rest Deutschlands, kam es zur Gründung einer christlichen Volkspartei. Am 12. September 1945 traf man im Münchner Rathaus zusammen, um der neuen bayerischen Partei einen Namen zu geben. Man einigte sich auf "Bayerische Christliche-Soziale Union". Am 13. Oktober 1945 wurde die CSU offiziell in Würzburg gegründet, die erste landesweite Sitzung fand am 8. Januar 1946 im Münchner Rathaus statt. Dr. Josef Müller, erster Vorsitzender der CSU und "Gründungsvater", setzte in der gesamten Partei durch, dass der von Lang-Brumann vertretene Unionsgedanke - konfessionsübergreifend, überregional und über soziale Unterschiede hinweg, Anhänger für die politische Arbeit zu gewinnen - auch von der CSU verfolgt wurde.
Innerhalb der CSU bildeten sich zahlreiche Arbeitsausschüsse, die für den Ausbau der Organisation zuständig waren. So kam es auch zur Bildung des Ausschusses "Frau und Familie", kurz "Frauenausschuss" genannt, der sich als "gesamte Vertretung aller Frauen sowie aller Wählerinnen der Union" verstand und sich einem breiten Spektrum an gesellschaftlichen Themen widmete. Zu den drei Arbeitsschwerpunkten des Ausschusses zählten die Auseinandersetzung mit den programmatischen Parteirichtlinien, Unterstützung bei Nachkriegsproblemen und der Einsatz von Frauen bei Wahlvorbereitungen. Nicht zuletzt schlug sich der Einfluss der Frauen im ersten Grundsatzprogramm der CSU nieder, das im Dezember 1946 verabschiedet wurde. Darin ist zu lesen: "Mann und Frau sind in Wert und Aufgabe ebenbürtig. Wir fordern die rechtliche und soziale Gleichstellung der Geschlechter."
Nach und nach kam es innerhalb der Partei zu Untergliederungen. So schlossen sich am 29. August 1947 auch die Frauen innerhalb der CSU zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Die zwei Hauptanliegen der Arbeitsgemeinschaft: 1. die Lösung von Problemen der Nachkriegszeit sowie 2. der Aufbau eines neuen Staatswesens. Der Zusammenschluss zur Frauenarbeitsgemeinschaft (FAG) wurde offiziell am 30./31. August 1947 von Mitbegründerin Lang-Brumann auf der ordentlichen Landesversammlung der CSU bekannt gegeben. Lang-Brumann, spätere erste Vorsitzender der FAG, wandte sich mit den Worten an die CSU: "Ich habe den Auftrag, der außerordentlichen Landesversammlung der UNION mitzuteilen, daß sich die Frauen der Christlich-Sozialen Union in Bayern auf einer in jeder Hinsicht einmütig verlaufenden Versammlung zur Landesarbeitsgemeinschaft der Frauen der CSU in Bayern zusammengeschlossen haben […]. Der Zweck der Gründung ist die klare Herausstellung der Gesamtmeinung und des Gesamtwillens des Wählerkreises der Union, der in Anspruch nehmen darf, zahlenmäßig der größte zu sein."
Am 1. Mai 1948 schlossen sich die Frauenarbeitsgemeinschaften der CSU und CDU auf einer konstituierenden Sitzung in Frankfurt zur "Frauenarbeitsgemeinschaft der CDU/CSU Deutschlands" zusammen. Helene Weber hatte den Vorsitz. Gemeinsam wandte man sich einem größeren Themenspektrum zu. Neben den Themen mangelnde Repräsentanz von Frauen als Mandatsträgerinnen, Gleichberechtigung, Lastenausgleich und Elternrecht gewannen in diesen Jahren bundespolitische und außenpolitische - und hier vor allem europapolitische Themen - an Bedeutung. Die organisatorische Zusammenführung beider Arbeitsgemeinschaften wurde drei Jahre später, nach Gründung der CDU als Bundespartei, wieder aufgehoben.
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